Empirische Forschung: Definition, Methoden & Vorgehen

Empirische Forschung: Definition, Methoden & Vorgehen

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David BorgerGründer & CEO

Empirische Forschung – der Begriff fällt in jeder Methodenvorlesung, und trotzdem wissen überraschend viele Studierende nicht genau, was damit eigentlich gemeint ist. Im Kern ist es simpel: Empirische Forschung basiert auf Erfahrung, Beobachtung und Daten aus der realen Welt. Im Gegensatz zur rein theoretischen Arbeit, die bestehende Literatur analysiert und interpretiert, gehst du bei der empirischen Forschung raus und sammelst eigene Daten – ob durch Umfragen, Interviews, Experimente oder Beobachtungen. In diesem Artikel erklären wir, was empirische Forschung genau ist, wie der typische Ablauf aussieht und wann du empirisch arbeiten solltest.

Was ist empirische Forschung?

Das Wort „empirisch“ kommt vom griechischen „empeiria“ und bedeutet Erfahrung. Empirische Forschung ist also erfahrungsbasierte Forschung: Du gewinnst Erkenntnisse nicht allein durch Nachdenken oder Lesen, sondern durch die systematische Erhebung und Auswertung von Daten aus der Realität. Das unterscheidet sie fundamental von rein theoretischen oder literaturbasierten Arbeiten. Empirische Forschung kann sowohl qualitativ als auch quantitativ sein. Entscheidend ist nicht die Art der Daten, sondern dass du überhaupt eigene Daten erhebst und systematisch analysierst. Eine Online-Umfrage mit 500 Teilnehmern ist genauso empirisch wie zehn tiefgehende Interviews – der Unterschied liegt in der Methode, nicht im Prinzip. In der Praxis bedeutet empirisches Arbeiten: Du hast eine Forschungsfrage, entwickelst ein methodisches Vorgehen, sammelst Daten in der realen Welt und wertest diese systematisch aus, um deine Frage zu beantworten. Das klingt nach viel Aufwand – und das ist es auch. Aber empirische Arbeiten werden von Prüfern oft höher geschätzt als reine Literaturarbeiten, weil sie zeigen, dass du eigenständig forschen kannst.

Ablauf empirischer Forschung

Empirische Forschung folgt einem systematischen Ablauf, der sich in sechs Schritte gliedern lässt. Diese Schritte sind kein starres Korsett, sondern ein roter Faden, der dir Orientierung gibt. Je nach Methode und Fach kann die Reihenfolge leicht variieren, aber das Grundprinzip bleibt immer gleich:

  1. Forschungsfrage formulieren: Am Anfang steht die Frage. Was genau willst du herausfinden? Die Forschungsfrage bestimmt alles Weitere – die Methode, die Stichprobe, die Auswertung. Nimm dir Zeit für diesen Schritt, denn eine unscharfe Frage führt zu unscharfen Ergebnissen.
  2. Literatur aufarbeiten: Bevor du eigene Daten erhebst, musst du wissen, was andere bereits herausgefunden haben. Die Literaturrecherche gibt dir den theoretischen Rahmen und zeigt dir die Forschungslücke, die du füllen willst. Außerdem findest du hier Hinweise auf bewährte Methoden und Messinstrumente.
  3. Forschungsdesign festlegen: Jetzt wird es konkret: Qualitativ oder quantitativ? Querschnitt oder Längsschnitt? Welche Methode passt zu deiner Frage? Hier triffst du die zentralen methodischen Entscheidungen und begründest sie.
  4. Daten erheben: Der Kern der empirischen Arbeit. Du führst deine Interviews, verteilst deine Fragebögen, beobachtest dein Feld oder führst dein Experiment durch. Dokumentiere alles sorgfältig – was du später im Methodikteil nicht beschreiben kannst, existiert für den Leser nicht.
  5. Daten auswerten: Deine Rohdaten werden zu Ergebnissen. Bei quantitativen Daten nutzt du statistische Verfahren, bei qualitativen Daten interpretative Methoden wie die Inhaltsanalyse. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Eine saubere Auswertung macht den Unterschied zwischen einer guten und einer mäßigen Arbeit.
  6. Ergebnisse interpretieren und diskutieren: Im letzten Schritt ordnest du deine Ergebnisse in den größeren Kontext ein. Was bedeuten sie für deine Forschungsfrage? Wie verhalten sie sich zur bestehenden Literatur? Wo liegen die Grenzen deiner Studie? Die Diskussion ist das Herzstück deiner Arbeit – hier zeigst du, dass du nicht nur Daten sammeln, sondern auch denken kannst.

Empirisch vs. theoretisch

Die Frage „Empirisch oder theoretisch?“ stellt sich vielen Studierenden, und die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab. Eine empirische Arbeit erhebt eigene Daten und wertet sie aus. Eine theoretische Arbeit – oft auch Literaturarbeit genannt – analysiert und synthetisiert bestehende Forschung, ohne eigene Daten zu erheben. Beide Formen haben ihre Berechtigung und können hervorragende Abschlussarbeiten liefern. Empirisch arbeiten lohnt sich, wenn du eine konkrete, überprüfbare Forschungsfrage hast, wenn du Zugang zu Daten oder Probanden hast und wenn du Lust auf den praktischen Forschungsprozess hast. Theoretisch arbeiten lohnt sich, wenn dein Thema zu komplex für eine einzelne empirische Studie ist, wenn du einen Überblick über ein Forschungsfeld geben willst oder wenn der Zugang zu Daten schwierig ist. In manchen Fächern ist eine empirische Arbeit praktisch Pflicht – in der Psychologie oder den Wirtschaftswissenschaften zum Beispiel. In anderen Fächern, etwa der Philosophie oder der Rechtswissenschaft, sind theoretische Arbeiten die Norm. Informiere dich früh, was in deinem Studiengang erwartet wird.

Tipp
Wenn du dich für eine empirische Arbeit entscheidest, beginne so früh wie möglich mit der Planung der Datenerhebung. Viele Studierende unterschätzen, wie lange es dauert, einen Fragebogen zu entwerfen, einen Pretest durchzuführen, genügend Teilnehmer zu finden und die Daten auszuwerten. Als Faustregel: Plane für die Datenerhebung und -auswertung mindestens ein Drittel deiner gesamten Bearbeitungszeit ein. Und fang nicht an, Daten zu erheben, bevor dein Betreuer grünes Licht gegeben hat – sonst riskierst du, alles nochmal machen zu müssen.

Fazit

Empirische Forschung bedeutet, aus der Theorie in die Praxis zu gehen – eigene Daten zu erheben, systematisch auszuwerten und daraus Erkenntnisse abzuleiten. Der Weg ist aufwendiger als bei einer reinen Literaturarbeit, aber er zeigt deinem Prüfer, dass du eigenständig forschen kannst. Halte dich an den systematischen Ablauf, plane genug Zeit ein und dokumentiere alles sorgfältig. Dann steht deiner empirischen Abschlussarbeit nichts im Weg.

Häufig gestellte Fragen