Getrennt- und Zusammenschreibung: Regeln für wissenschaftliche Texte

Getrennt- und Zusammenschreibung: Regeln für wissenschaftliche Texte

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David BorgerGründer & CEO

Schreibt man „kennenlernen" oder „kennen lernen"? „Infrage stellen" oder „in Frage stellen"? Die Getrennt- und Zusammenschreibung gehört zu den kompliziertesten Bereichen der deutschen Rechtschreibung – und sorgt in wissenschaftlichen Arbeiten regelmäßig für Unsicherheit. Dieser Artikel erklärt dir die wichtigsten Regeln und zeigt, worauf du in akademischen Texten besonders achten solltest.

Die wichtigsten Regeln im Überblick

Die Getrennt- und Zusammenschreibung richtet sich nach der Beziehung zwischen den Bestandteilen einer Wortverbindung. Grundsätzlich gilt: Wenn eine neue Gesamtbedeutung entsteht, die über die Summe der Einzelteile hinausgeht, wird zusammengeschrieben. Wenn die Bestandteile ihre eigenständige Bedeutung behalten, wird getrennt geschrieben. Allerdings hat die Rechtschreibreform viele Schreibweisen verändert und auch Doppelformen zugelassen. Das macht die Sache nicht einfacher, gibt dir aber in manchen Fällen die Freiheit, dich für eine Variante zu entscheiden – wichtig ist nur, dass du innerhalb deiner Arbeit konsistent bleibst.

VerbindungZusammenGetrenntAnmerkung
Verb + Verbkennenlernenkennen lernenBeide Varianten zulässig, Zusammenschreibung empfohlen
Adjektiv + Verb (neue Bedeutung)freisprechen (vor Gericht)frei sprechen (ohne Notizen)Bedeutungsunterschied beachten
Substantiv + Verbteilnehmen, stattfindenRad fahren, Maschine schreibenTrennbar? → zusammen; Substantiv betont? → getrennt
Partikel + Verbaufstehen, einführenPartikeln wie auf, ein, mit, vor werden zusammengeschrieben
Adjektiv + Adjektivdunkelrot, hellblauriesig groß, schwer krankFarbzusammensetzungen zusammen, Steigerungen getrennt
Adverb + Verbdaherkommen, dazugehörenhier bleiben, dort stehenAdverbien mit da-, hin-, her- zusammen

Typische Zweifelsfälle in wissenschaftlichen Texten

Im akademischen Sprachgebrauch gibt es einige Verbindungen, die besonders oft falsch geschrieben werden. Dazu gehören Ausdrücke mit „infrage", „zugrunde", „infolge", „aufgrund" und „anhand". Hier gilt: In Verbindung mit Verben sind oft beide Varianten zulässig, die Zusammenschreibung wird aber zunehmend bevorzugt. „Infrage stellen" und „in Frage stellen" sind beide korrekt. Ebenso „zugrunde legen" und „zu Grunde legen". Entscheide dich für eine Variante und bleibe dabei. In der aktuellen Praxis und auch vom Duden empfohlen tendiert man zur Zusammenschreibung. Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch Verbindungen mit „so", „wie" und „zu": „sodass" oder „so dass" – beides erlaubt, „sodass" bevorzugt. „Zurzeit" (= derzeit, aktuell) oder „zur Zeit" (= in der Zeit von) – hier gibt es einen Bedeutungsunterschied.

Beispiel
„Die Ergebnisse sind infrage zu stellen." ✓ „Die Ergebnisse sind in Frage zu stellen." ✓ „Die Ergebnisse sind InFrage zu stellen." ✗ „Aufgrund der Ergebnisse..." ✓ „Auf Grund der Ergebnisse..." ✓ (aber veraltet) „Die Methodik wird im Folgenden dargestellt." ✓ (nominalisiert → groß und zusammen) „Die Methodik wird im folgenden dargestellt." ✗

Konsistenz ist das oberste Gebot

In wissenschaftlichen Arbeiten ist Konsistenz wichtiger als die Wahl der „richtigen" Variante, wenn beide zulässig sind. Wenn du dich für „kennenlernen" entscheidest, verwende diese Schreibung durchgehend. Wenn du „in Frage stellen" bevorzugst, bleibe dabei. Erstelle am besten eine Wortliste für deine Arbeit, in der du deine Entscheidungen festhältst. Das spart dir bei der Endkorrektur viel Zeit und verhindert Inkonsistenzen. Tools wie myessay.io können dir helfen, solche Inkonsistenzen automatisch zu erkennen.

Fazit

Die Getrennt- und Zusammenschreibung ist komplex, aber beherrschbar. Orientiere dich an den Grundregeln, kenne die typischen Zweifelsfälle und halte deine Entscheidungen konsistent durch. Im Zweifelsfall hilft der Duden – und wenn du sichergehen willst, prüfe deinen Text mit myessay.io auf Inkonsistenzen und Fehler.

Häufig gestellte Fragen